Da mein Mann gebürtiger Albaner ist (was ihm oftmals etwas peinlich ist, bei dem zweifelhaften Ruhm, den einiger seiner Landsleute haben…), fahren wir regelmäßig nach Albanien. Im Juli und August wird es in Albanien allerdings so heiß, dass es für uns “Blassnasen” kaum erträglich ist… Und mit Kind ist es umso anstrengender. Weil die Ferien bei uns in Rheinland-Pfalz dieses Jahr aber so früh anfingen, haben wir uns doch für die Sommerferien entschieden, die wir dann auch an der albanischen Küste verbrachten.
(in Fier wohnen meine Schwiegereltern, in Vlore hatten wir uns zwei Strandappartements gemietet)
Ich muss sagen, dieses Land verändert sich immer wieder, bleibt aber in manchen Bereichen doch gleich… Das erste Mal war ich vor knapp 12 Jahren in Albanien, da brauchten wir noch für 100km Fahrt über 2 Stunden, da man nur langsam vorrankam, denn die Straßen waren ziemlich reparaturbedürftig. Ständig musste man Schlaglöchern ausweichen.
Auch heute sind noch die Auswirkungen des jahrelangen kommunistischen Regimes unter Enver Hoxha und der wirtschaftliche Zusammenbruch durch das Pyramidensystem, dass vielen albanischen Bürgern den Ruin brachte, zu sehen. Die folgenden Bürgeraufstände damals zerstörten zusätzlich Vieles in Albanien. Überall im Land findet man noch die von Hoxha erbauten Bunker.
Heute ist die Beschaffenheit der Straßen um einiges besser, wenn auch die Einhaltung von Verkehrsregeln nicht immer bei allen klappt – oft sind die auch nicht ganz klar… Die Hupe ist allseits beliebtes Warnsignal.
Vor 12 Jahren hatte ich mich noch ziemlich darüber amüsiert, dass man eigentlich nur Mercedes fuhr. Sogar an Pferdefuhrwerke hatte man Mercedes-Schmutzfänger angebaut. Nach einer Fahrt auf albanischen Straßen wusste ich dann aber, warum viele diese Fabrikate fahren. Diese Autos gelten als besonders langlebig und robust für die vorherrschenden Straßenverhältnisse. Heute finden sich gerade in den Hauptstraßen auch viele andere Automarken, recht häufig aber doch mit ausländischen Kennzeichen.
Viele Familien, die vor allem mit Hilfe von Verwandten im Ausland Geld ansparen konnten, haben ihre Häuser renoviert, erweitert oder aber überhaupt erst etwas Eigenes gebaut. So kommt es, dass das Straßenbild sehr abwechslungsreich ist. Neben kahlen, recht zerfallen aussehenden Gebäuden, finden sich schöne neue oder aber noch im Bau befindliche Häuser.
Wie in vielen südlichen Ländern wird auch hier meist über Jahre gebaut: immer wenn etwas Geld da ist, wird weitergebaut.
Leider nehmen die Albaner es mit dem Müll nicht so wichtig. Überall liegen Müllhaufen bzw. wird der Müll einfach verbrannt. Überall bekommt man Plastiktüten beim Einkauf, selbst an den vielen kleinen Ständen an jeder Straße, an den man überall frisches Obst und Gemüse kaufen kann.
Landschaftlich gesehen hat Albanien einiges zu bieten. Hoheitliche Berge durchziehen das ganze Land. Eine lange Küste am Ionischen Meer und der Adria schafft eine natürliche Grenze zu Griechenland und Italien.
Wir wollten bei der Hitze nicht in Fier (dem Heimatort meines Mannes) “rumsitzen”, sondern haben uns mal wieder in die Hafenstadt Vlorë begeben und uns zwei Appartements mit Selbstverpflegung direkt am Strand gemietet. Diese waren recht spartanisch eingerichtet, nach albanischen Verhältnissen aber schon luxuriös.
Wir hatten herrliches Wetter, der Strand lag am ionischen Meer und das Wasser war klasse. Da meine Schwiegermutter uns jeden Tag bekochte, war natürlich auch das Essen superlecker. Und das einheimische Obst und Gemüse schmeckt dort natürlich viel frischer und besser.
In Vlorë findet man wie so oft ein Zusammentreffen der Berge mit der Küste. Und so fuhren wir auch wieder einen Tag in die Berge zu einem wunderschönen Aussichtspunkt, wo man zudem auch gut essen kann.
In Albanien lebt Armut neben Reichtum, und gerade in den Bergregionen sind die Menschen ziemlich rückständig. Auch die Korruption ist dort noch sehr groß. Aber wenn man sieht, wie sehr sich das Land im letzten Jahrzehnt schon verändert hat, kann es ja eigentlich nur besser werden…
2 Kommentare:
Das sind tolle Bilder und wunderschöne Eindrücke. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt! Urlaub in einem Land zu machen, in dem ein Teil der eigenen Familie wohnt, muss toll sein. So lernt man Land und Leute von einer ganz anderen Seite kennen. LG Jule
da wird man doch glatt neidisch ....auch auf Dänemark!
lg
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